• „Wieder einmal gibt es heftige Diskussionen über die Entwicklung des Leipziger Auwaldes“. Der Leipziger Stadtverwaltung fällt zu dieser Entwicklung scheinbar außer Baumfällungen auch heute nicht viel.

    Die inhaltlich und örtlich viel zu eng begrenzten Veränderungen in der Burgaue (Lebendige Luppe) verdienen die Bezeichnung Revitalisierung nicht. Können aber ein wesentlicher Mosaiksteine einer tatsächlichen Revitalisierung des gesamten Leipziger Auwaldes und darüber hinaus sein. Einschließlich einer deutlichen Verbesserung, sowohl unter ökonomischen als auch ökologischen Aspekten, des Hochwasserschutzes. Politische Entscheidungen auf städtischer Ebene, die allem Anschein nach insbesondere eine (wasser-)touristische Nutzung und eine finanzielle Verwertung des Holzbestandes zum Ziel haben, stehen dem jedoch im Wege. Anstatt dem Denken breiteren Raum zu geben und nicht auf fiskalische und/oder Landesentscheidungen fixiert zu sein, laufen Stadtverwaltung und die sogenannte selbsternannte und damit sowohl formell als auch inhaltlich willkürlich festgelegt, vermeintliche oder tatsächliche Hinderungsgründe für eine wirkliche und ernstgemeinte Revitalisierung aus eigenem Interesse entweder ungenau oder falsch dargestellt werden.

    Auch für NuKLA war es ein Lernprozess festzustellen, dass die Kommune Stadt Leipzig eine eigene Rechtspersönlichkeit ist – und so handelt. Als und für Leipzig und für die Leipziger. „Leipzig“ sind aber seine Bürger – nicht die Verwaltung.

    Aus gegebenem Anlass stellen wir diesen Artikel von 2012 (!) neu ein:

    Das Eine tun und das Andere nicht lassen!
    Das Elster-Pleiße-Luppe-Auensystem von Leipzig ist durch sein reichhaltiges Standortmosaik und seine vergleichsweise einmalige Artenvielfalt mit einem hohen Anteil an gefährdeten Sippen ein herausragender Naturraum Mitteleuropas. Seine Erhaltung, sein wirksamer Schutz und die weitest mögliche Regenerierung inzwischen geschädigter Teile muss das oberste Ziel der Landschaftsplanung- und Entwicklung im Gebiet einnehmen. Dabei müssen die Belange des Naturschutzes in jeder Hinsicht das absolute Primat haben.“ – So beginnen die „12 Thesen zur Erhaltung, Schutz und Renaturierung des Leipziger Auensystems“ von Prof. Dr. Gerd K. Müller von 1993. Nachzulesen im 5. Leipziger Auwaldsymposium zum Leipziger Auwald.

    Mit dieser These lässt sich die Rodung tausender Bäume auf 10 ha Fläche auf Grund des sogenannten „Tornadoerlasses“ für einen vermeintlichen Hochwasserschutz, wie im vergangenen Jahr geschehen, schlecht vereinbaren, der – sofern die Begründung Hochwasserschutz denn zutrifft – nichts mit natürlichem, ökologisch sinnvollen Hochwasserschutz zu tun hat. Der eher verhalten wirkende Protest der Leipziger Stadtverwaltung gegen diese Rodungsaktion und die nach wie vor ausbleibende Umsetzung der vereinbarten Ersatzpflanzungen hinterlässt ein ungutes Gefühl im Hinblick auf die Planungen der Stadtverwaltung für die Zukunft des Auwaldes. Daran ändert auch eine vorliegende Konzeption zur forstlichen Pflege für den Auwald nichts, werden doch auch in diesem Jahr (planmäßig) wieder tausende Bäume gefällt.
    Die Konzeption zur forstlichen Pflege ist also offensichtlich ständig in Bewegung, dies allerdings vor allem in Richtung Baumfällungen. Zwar wird seitens der Stadtverwaltung darauf verwiesen, dass mindestens ein Teil davon sowohl dem Schutz als auch der Stärkung bestehender auwaldtypischer Bäume und der Biodiversität dient. Vor dem Hintergrund ständig steigender Holzpreise besteht für die Gesamtarbeiten allerdings Klärungsbedarf, zumal die Rodungen insbesondere im südlichen Auwald eben nicht einhergehen mit einem Konzept zur großflächigen Flutung des Auwaldes, die für den Schutz und die Stärkung auwaldtypischer Baumbestände zwingend notwendig wäre: „Zur Revitalisierung der Fließgewässer, ihres langsamerem Abflusses, der Erhöhung des Grundwasserspiegels und der Schaffung kontrollierter Überschwemmungsflächen mit zeitlicher Begrenzung ist ein geeignetes Gesamtkonzept zu entwickeln“(ebda.). Daher ist, wie derzeit für den nördlichen Auwald zur Revitalisierung der Landschaft um die Alte Luppe begonnen, ein vergleichbares Konzept für den südlichen Auwald zu erstellen und umzusetzen. Nur eingebettet in ein solches umfassendes Konzept sind die derzeitigen Rodungen akzeptabel.

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    Langfristig sollten sowohl im südlichen, als auch im nördlichen Auwald Gebiete ausgewiesen werden, die gänzlich dem menschlichen Einfluss entzogen sind. Auf diese Art und Weise sollte das „verletzte ökologische Kleinod“ Leipziger Auwald den nachfolgenden Generationen zurückgegeben werden mit einem Auwaldsystem-Gesamtkonzept aus Stadtwald, Park und Urwald und den sie umgebenden wieder aufgeforsteten Flächen der Tagebausanierung. Große Teile des Auwaldes sind schließlich für die Tagebaue unwiederbringlich beseitigt worden.

    Ein sehr wesentlicher, längst fälliger Schritt in diese Richtung wäre die sofortige Erweiterung des NSG „Elster-Pleiße-Auwald“, „Lehmlache Lauer“ und „Gautzscher Spitze“. Diese Erweiterung des Naturschutzgebietes ist schon lange geplant. Allein die ebenfalls geplante motorisierte wassertouristische Nutzung des Leipziger Auwaldes hat diese Erweiterung bisher verhindert. Insofern sollte sich die Stadtverwaltung nicht nur in Worten, sondern auch in Taten zum Erhalt Leipziger Auwaldes als Auwald bekennen. Gewässerausbau ist für ein Auwald-Ökosystem schädlich bis hin zu dessen Vernichtung. Will man den Auwald als solchen tatsächlich schützen, darf ein Gewässerausbau nicht erfolgen.

    Aus diesem Grund fordert NuKLA nachdrücklich, die schon lange geplante Erweiterung
    der Naturschutzgebiete endlich umzusetzen. Ebenso dringlich fordern wir den ausdrücklichen Verzicht auf den gerüchtehalber kursierenden Plan zum Ausbau des Floßgrabens, dessen zweifelhafte Begründung eine angebliche Verbesserung seines ökologischen Zustandes ist. In Wahrheit wird er jedoch vielmehr einer – im Rahmen der angestrebten Schiffbarkeitserklärung für die Tagebaurestseen zukünftig „notwendigen“ – motorisierten Nutzung dienen.

    Mit anderen Worten: Man kann das Eine (Rodungen zur forstlichen Pflege) tun, darf aber das Andere (Konzept zur dauerhaften Wiedervernässung und damit Schaffen von auwalderhaltenden Bedingungen sowie die längst fällige Realisierung der im Nachgang zu den vorjährigen Fällungen vereinbarten Ersatzpflanzungen) nicht lassen.

    Für einen langfristigen, dauerhaften Schutz des Leipziger Auwaldes und der angrenzenden Auwaldgebiete, verbunden mit dem Ziel, ein überregionales Leitbild mit Bezug auf Natur und Kunst zu entwickeln, bittet NuKLA die Leipziger Stadtverwaltung erneut, sich an dem Projekt, den Leipziger Auwald als UNESCO-Welterbe auszuweisen, zu beteiligen.

    http://www.nukla.de/2012/12/das-eine-tun-und-das-andere-nicht-lassen/

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    veröffentlicht am 15. November 2017 in der Rubrik Presse - News
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